Du könntest tagelang durch vage oder übertechnisierte Artikel zur Online-Barrierefreiheit waten – dabei von Verkaufsversprechen bombardiert, die „Compliance mit minimalem Aufwand” garantieren. Aber was bedeutet Barrierefreiheit wirklich für ein Digital- oder Marketingteam in der Kulturbranche, wenn du gerade deine Abonnementseite aktualisierst, ein Video für eine bevorstehende Veranstaltung einbindest oder ein neues Bildungsprogramm launchst, an dem du seit Monaten arbeitest?

Unser Client-Services-Team wird ständig nach Barrierefreiheit gefragt – und das Wichtigste, was wir dabei vermitteln möchten: Eine wirklich barrierefreie Website ist weit mehr als der Code, den wir schreiben. Der Kern guter Barrierefreiheit ist simpel: Jede Person, die deine Website besucht, sollte auf dieselben Informationen zugreifen können – unabhängig von Sehvermögen, Hörfähigkeit, Motorik oder anderen Fähigkeiten. Was das für uns konkret bedeutet:

Inhalte mit Überschriften strukturieren

Eine gut strukturierte Seite verbessert die Erfahrung für alle – auch für Menschen, die Screenreader nutzen: Software, die Menschen mit Seh- oder Leseschwierigkeiten beim Navigieren einer Website unterstützt. Wer Inhalte mit klaren Überschriften und Unterüberschriften gliedert, gestaltet die Seite nicht nur übersichtlicher – sondern hilft allen Besucher:innen, schneller zu finden, was sie suchen. Und abgesehen von gutem Design ist es auch eine klare Empfehlung der WCAG-Standards.

Überschriften schaffen eine Orientierungskarte, mit der Lesende gezielt nach Informationen scannen können. Screenreader ermöglichen es Nutzer:innen außerdem, von Überschrift zu Überschrift zu springen, anstatt jedes Wort auf der Seite anhören zu müssen. Deshalb ist es wichtig, echte Header-Tags (H1, H2, H3 usw.) zu verwenden – und nicht einfach Text größer oder fetter zu formatieren. Dieses „semantische” HTML macht Inhalte für menschliche Lesende und Suchmaschinen gleichermaßen nützlicher.

Merke: Nutze immer den Texteditor deines CMS, um echte Überschriften zu erstellen – statt sie durch Formatierung zu imitieren. Dieser kleine Schritt macht für Menschen, die Screenreader zum Navigieren nutzen, einen enormen Unterschied.

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Aussagekräftige CTAs

Bessere CTAs sind eine kleine, aber wirkungsvolle Änderung für deine Website und E-Mail-Strategie. Statt vager Formulierungen wie „Hier klicken” oder „Mehr erfahren” solltest du konkrete Phrasen verwenden, die deutlich machen, wohin der Link führt: „Artikel lesen”, „Tickets kaufen” oder „Sammlung ansehen”.

Dieser einfache Wechsel hilft auf zwei Arten:

Erstens: Wenn Screenreader-Nutzer:innen durch die Links auf deiner Seite oder in deiner E-Mail navigieren, müssen sie verstehen, wohin jeder Link führt – ohne visuelle Anhaltspunkte wie Schaltflächenposition, Farbe oder andere Designmerkmale. Mit aussagekräftigen Links erschließt sich der Zweck direkt, ohne zusätzlichen Kontext.

Zweitens: Konkrete CTAs schaffen visuelle Ankerpunkte, die Aufmerksamkeit natürlich lenken und alle Besucher:innen zu verschiedenen Bereichen deiner Website führen – und so die Auffindbarkeit deiner Inhalte verbessern. Deine Seiten und E-Mails werden für alle ansprechender und gleichzeitig WCAG-konformer.

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Audio & Video

Wir lieben ein gutes Veranstaltungsvideo – es transportiert die Energie einer bevorstehenden Aufführung, die emotionale Kraft einer neuen Ausstellung oder das Transformationspotenzial eines Bildungsprogramms. Aber die Wirkung deiner Geschichten sollte jeden potenziellen Gast erreichen, unabhängig davon, wie er oder sie digitale Medien erlebt.

Wenn du Video- und Audioinhalte in deiner digitalen Landschaft einsetzt, sollte Barrierefreiheit ein fester Bestandteil deiner Content-Strategie sein – kein technisches Nachdenken am Ende. Die WCAG-Standards bieten einen strukturierten Rahmen, um Medienerlebnisse zu schaffen, die vielfältige Publikumsbedürfnisse bedienen und das Engagement insgesamt stärken.

Untertitel: Große Plattformen wie YouTube und Vimeo haben Untertitel direkt in ihre Oberflächen integriert. Ursprünglich für gehörlose oder schwerhörige Menschen entwickelt, helfen sie auch Nicht-Muttersprachler:innen, Menschen in lauteren Umgebungen und Social-Media-Nutzer:innen, bei denen Videos standardmäßig stumm geschaltet sind. WCAG-Standard lesen

Audiodeskriptionen: Wenn Informationen in einem Video ausschließlich visuell vermittelt werden, setzt WCAG-AA-Konformität eine Audiodeskription für sehbehinderte oder blinde Nutzer:innen voraus. Stand März 2025 befindet sich YouTubes Audiodeskriptionsfunktion noch im Beta-Stadium – WCAG akzeptiert bei Bedarf aber auch eine vollständige Textalternative. WCAG-Standard lesen

Audiotranskripte: Für Podcast-Inhalte und eigenständige Audiodateien sind Transkripte erforderlich, damit gehörlose oder schwerhörige Nutzer:innen deine Inhalte erleben können. Texttranskripte verbessern außerdem die Auffindbarkeit für alle – besonders bei längeren Audiostücken. WCAG-Standard lesen

Fazit

Barrierefreie Webinhalte verbessern die Erfahrung für alle Nutzer:innen – ähnlich wie automatische Türen nicht nur für Rollstuhlfahrer:innen praktisch sind, sondern für viele Menschen. Wer die Details richtig macht, schafft ein besseres Erlebnis für jede Person, die die Website besucht, und stärkt die Beziehung zur eigenen Community.

Auf den ersten Blick scheinen Barrierefreiheits-Plugins wie Accessibe schnelle, unkomplizierte Verbesserungen zu versprechen, ohne den eigenen Workflow zu belasten. Aber beim Thema Web-Barrierefreiheit gilt die alte Regel: Wenn es zu gut klingt, um wahr zu sein, ist es das wahrscheinlich auch. Die meisten Nutzer:innen, die auf assistive Technologien angewiesen sind, haben ihre Geräte bereits so eingerichtet, dass sie ihren Bedürfnissen entsprechen – sie wollen kein Plugin, das ihre Navigation übernimmt. Tatsächlich können solche Plugins Screenreader oder andere Hilfsmittel aktiv stören und das Erlebnis so verschlechtern statt verbessern.

Im Laufe der Jahre haben wir beobachtet, wie die WCAG-Standards gewachsen sind, um Nutzer:innenbedürfnisse besser abzubilden und neue Technologien einzubeziehen. Wenn deine Website mehr als ein paar Jahre alt ist, sprich uns auf ein vollständiges oder teilweises Barrierefreiheits-Audit an. Unser Team kann Code und Inhalte – auf der gesamten Website oder auf einzelnen Schlüsselseiten – prüfen und Empfehlungen geben, die dir helfen, deine Barrierefreiheitsziele zu erreichen.